03. Dezember 2014

Bauverband fordert mehr Geld für Strecken im Südwesten

Bund erhöht seine Zuschüsse für die Erhaltung des Schienennetzes


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Stuttgart. Angesichts der geplanten Erhöhung der Baukostenzuschüsse des Bundes für die Erhaltung des Deutschen Schienennetzes fordert die Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg, dass auch der Südwesten angemessen berücksichtigt wird. Der Bund hat angekündigt, seine entsprechenden Mittel für 2015 bis 2019 von bisher 2,75 Mrd. Euro auf jährlich 3,9 Mrd. Euro aufzustocken. Zusammen mit den Investitionszuschüssen für Neubaumaßnahmen und Eigenmitteln der DB AG stehen damit für Erhaltung und Erneuerung der Schienenwege bis 2019 rund 28 Mrd. Euro an Investitionsmitteln zur Verfügung.

Wie wichtig die Sanierung des Schienennetzes ist, zeigt eine aktuelle Untersuchung der Wochenzeitschrift „Die ZEIT“. Danach wurden für den Zeitraum Januar 2013 bis Juli 2014 in Deutschland insgesamt 586 so genannte Langsamfahrstrecken im Schienennetz der DB AG ermittelt. Diese Langsam­fahrstrecken sind nicht etwa auf Baustellen zurückzuführen. Sie wurden vielmehr ausgewiesen, weil die entsprechenden Bahnstrecken beschädigt waren. Bezüglich der durchschnittlichen Dauer dieser Geschwindigkeitsein­schränkungen nimmt Baden-Württemberg mit 1.317 Tagen im Betrachtungs­zeitraum bundesweit einen traurigen Spitzenplatz ein. Zwar sind lediglich 3,2 Kilometer Nebenschienenstrecken hierzulande von diesen Einschränkungen betroffen. Umso unverständlicher sei der extrem lange Zeitraum, in dem nichts geschehen ist um den misslichen Zustand zu verbessern, moniert Dieter Diener, Geschäftsführer der Landesvereinigung Bauwirtschaft: „Wir erwarten, dass hier schnellstmöglich gehandelt wird und die Schäden auf den betroffenen Streckenabschnitten endlich behoben werden.“

Ausdrücklich begrüßt Dieter Diener die gestrige Ankündigung der Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium, Dorothee Bär, dass die Elektrifizierung der Südbahn von Ulm nach Lindau nun doch bereits 2015 in Angriff genommen werden könnte. Mit der Elektrifizierung der Südbahn soll die Bahnstrecke zwischen Ulm und Lindau mit Oberleitungen aufgerüstet werden, damit dort statt Dieselloks künftig Elektrolokomotiven fahren können. Die reine Bauzeit schätzten Experten zuletzt auf vier bis fünf Jahre. Nach dem Willen von CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt sollte das bereits seit vielen Jahren geplante Verkehrsprojekt ursprünglich erneut auf den Prüfstand kommen.

Dringender Handlungsbedarf besteht laut Diener außerdem bei der 148 Kilometer langen Bahnstrecke von Stuttgart Richtung Singen, die so genannte Gäubahn, Diese Strecke, auf der auch Intercityzüge verkehren, ist nach der Demontage durch die Alliierten noch heute teilweise nur eingleisig befahrbar. Die Wiederherstellung der Zweigleisigkeit auf der gesamten Gäubahnstrecke ist ein wichtiges Thema, das sich bereits seit Jahrzehnten hinzieht. Mindestens ebenso wichtig ist die Aus- und Neubaustrecke Karlsruhe-Basel. Bei dem Projekt soll die Bahnverbindung durch das Rheintal durchgehend auf vier Gleise verstärkt und die Betriebsqualität durch Entmischung der verschiedenen Verkehre gesteigert werden. Das Bauvorhaben ist Teil des Korridors Amsterdam – Genua, seine vollständige Umsetzung verzögert sich jedoch von Jahr zu Jahr. Bislang wurden lediglich Teilstrecken gebaut. Die endgültige Fertigstellung des Gesamtprojektes ist nach wie vor offen, obwohl vertragliche Vereinbarungen bestehen, die Strecke bis zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels 2017 in Betrieb zu nehmen.