28. Januar 2015

Permanente Gesetzesverschärfungen machen Wohnraum teurer

Milde Witterung sorgt für gute Umsatzzahlen auf dem Bau


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Stuttgart. Die baden-württembergische Bauwirtschaft zeigt sich zufrieden mit der baukonjunkturellen Entwicklung in 2014: Milde Temperaturen zu Jahresbeginn, kaum Bodenfrost gegen Jahresende  - dank der günstigen Witterung konnten die Bauunternehmen fast überall im Land durcharbeiten. Auch die relativ stabile gesamtwirtschaftliche Lage sorgte im vergangenen Jahr für steigende Umsätze. Besonders stark fielen die Zuwächse im Wohnungsbau, im Straßenbau sowie im Tiefbau aus. Wie die Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg mitteilt, betrug das Bauvolumen zwischen Januar und November 11,72 Mrd. Euro und lag damit um 6,1 % über dem Vorjahresniveau. Die Auftragseingänge legten dagegen nur um 0,5 % zu. Für das Baujahr 2015 ist Präsident Thomas Schleicher trotz der Unsicherheiten in der Gesamtwirtschaft zuversichtlich gestimmt. Zwar wird sich die Dynamik insbesondere in der zweiten Jahreshälfte abschwächen. Dennoch rechnet er mit einem leichten Umsatzplus von 1,5 – 2 %.

Wie bereits 2014 wird der Wohnungsbau auch im kommenden Jahr Wachstumsmotor und konjunkturelle Stütze sein. Ein stabiler Arbeitsmarkt, wachsende Einkommen, niedrige Hypothekenzinsen und fehlende Anlagealternativen sorgen in dieser Bausparte für rege Nachfrage. Bis Ende November gab es hier einen Umsatzanstieg um 7,3 %. Allerdings sind die Hochbaugenehmigungen seit Herbst 2014 leicht rückläufig. Auch der Wirtschaftsbau hat in den vergangenen Monaten einen Dämpfer erhalten. Grund ist offenbar die Investitionszurückhaltung der stark exportabhängigen Wirtschaft in Baden-Württemberg mit Blick auf die schwierige Lage einiger Euroländer. Der Umsatzzuwachs im Wirtschaftsbau lag daher lediglich bei 2,7 %. Im öffentlichen Bau befürchtet Schleicher, dass trotz eines Plus von 8,8 % die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte künftig zu Lasten der Investitionen gehen wird.

Sorgen bereitet dem Verbandschef die derzeitige Lage auf dem Wohnungsmarkt. Trotz steigender Zahlen wurden 2013 in Baden-Württemberg lediglich 31.790 neue Wohnungen fertig gestellt, 60.000 bräuchte man aber pro Jahr laut Bedarfsstudien. „Zu wenig Wohnraum führt zu steigenden Mieten und das ist sozialer Zündstoff. Schuld daran sind auch die permanenten Gesetzesverschärfungen im Wohnungsbau, die letztlich auf die Preise durchschlagen.“ Thomas Schleicher weist darauf hin, dass die reinen Baupreise 2013 nur um ca. 2 % gestiegen sind, während die Verkaufspreise für Neubauten um bis zu 5 % angezogen haben. Ein Großteil der höheren Kosten im Wohnungsneubau sei politisch bedingt. Als Kostentreiber nennt er unter anderem die Energieeinsparverordnung. So müssen durch die verschärften Anforderungen der EnEV 2014, die ab 2016 für Neubauten gelten, für ein freistehendes Mehrfamilienhaus des mittleren Preissegments mit 12 Wohneinheiten und einer durchschnittlichen Größe von 73 qm etwa 1.432,- Euro/qm für Roh- und Ausbauarbeiten veranschlagt werden. Das sind gut 7% mehr als nach den derzeit gültigen Regelungen für ein solches Bauwerk.

Zu Mehrkosten beim Bauen trägt in Baden-Württemberg außerdem die neue Landesbauordnung bei. Sie schreibt neuerdings eine Fassaden- bzw. Dachbegrünung vor, falls keine andere Ausgleichsfläche vorhanden ist. Außerdem müssen verpflichtend wettergeschützte Fahrradstellplätze gebaut werden. Die Landesvereinigung hat errechnet, dass ein solcher Stellplatz inkl. Grundstück im Schnitt 3.180,- Euro kostet. Auch die restriktive Baulandausweisung in Baden-Württemberg treibt die Kosten für Immobilien künstlich in die Höhe. Hinzu kommt die Deponieknappheit im Land, wodurch sich die Deponiekosten teilweise verdoppelt haben. Bei der Entsorgung des Erdaushubs für ein durchschnittliches Einfamilienhaus schlägt das mit bis zu 3.000,- Euro Mehrkosten zu Buche. Nicht zu vergessen die Anhebung der Grunderwerbsteuer im Jahr 2011 von 3,5 auf 5 % sowie seit 2013 zusätzlich gestiegene Notarkosten. Die Landesvereinigung Bauwirtschaft fordert daher von der Politik, ihre energiepolitischen Vorgaben mit Augenmaß zu verfolgen, eine bedarfsgerechte Baulandbereitstellung zu gewährleisten und die Wohnraumförderung effektiver zu gestalten.