16. Februar 2015

Brückensperrungen drohen auch in Baden-Württemberg

Marode Neckartalbrücke auf der A6 am Rande ihrer Kapazität


contentmaker/standard/editor.tpl | standard

Stuttgart. Die Gefahr von Brückensperrungen aufgrund maroder Bausubstanz droht auch in Baden-Württemberg. Ähnlich wie bei der Schiersteiner Brücke in Mainz, die wegen Brückenschäden bis auf Weiteres gesperrt ist, könnte es auch hierlande jederzeit zu ähnlich drastischen Maßnahmen kommen. Ein besonders akutes Beispiel dafür ist die Neckartalbrücke auf der A6 zwischen Neckarsulm und Heilbronn. Die mit 1.350 Metern längste Autobahnbrücke in Baden-Württemberg ist in einem derart desolaten Zustand, dass sie nicht mehr saniert werden kann und stattdessen komplett erneuert werden muss. Ursache ist die enorm hohe Verkehrsbelastung, insbesondere durch den Schwerlastverkehr. Auf der wichtigen Verbindungsbrücke der Ost-West Magistrale zwischen Prag und Paris rollen täglich über 115.000 Fahrzeuge mit etwa einem Drittel Schwerlastanteil.

Weil die Neckartalbrücke diesen Belastungen nicht mehr gewachsen ist, darf sie seit Herbst 2013 vorläufig nur noch auf vier statt auf sechs Spuren befahren werden. Zudem wurde die Geschwindigkeit für Lkws auf 60 km/h begrenzt. „Dieser Zustand scheint sich zur Dauereinrichtung zu entwickeln und ist nicht länger hinnehmbar“, kritisiert der Geschäftsführer der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg Dieter Diener und verlangt eine Beschleunigung der entsprechenden Planungs- und Genehmigungsverfahren für den seit längerem geplanten sechsspurigen Ersatzneubau an gleicher Stelle. Hierfür gab es bereits vom Bundesverkehrsministerium und auch vom baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Herrmann grünes Licht. Die Kostenschätzungen liegen aktuell zwischen 150 und 175 Mio. Euro. Bereits vor zehn Jahren wurde die 1967 erbaute Stahlbrücke für 17 Millionen Euro instand gesetzt und auf sechs Fahrstreifen erweitert. Allerdings zeigten sich schon bald massive Brückenschäden, was zur jetzigen Teilsperrung der Fahrbahnen führte.

2017 sollte daher mit dem Ersatzneubau der Neckartalbrücke begonnen werden, damit wenigsten der nördliche Überbau mit sechs provisorischen Fahrstreifen bis zur Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn zur Verfügung steht. Bis 2021/22 wäre laut Plan auch der südliche Teil der neuen Brücke für den Verkehr frei. Aber auch diese Termine sind in Gefahr, was bei der Bauwirtschaft auf Unverständnis stößt. „Es kann doch nicht sein, dass es immer wieder zu Verzögerungen und Engpässen für die Autofahrer kommt, nur weil wir für Ersatzneubauten an gleicher Stelle denselben zeitlichen Genehmigungsaufwand betreiben wie für Neubauvorhaben“, beklagt Dieter Diener. Schon seit Jahren verweist der Verband auf die enormen Defizite bei der Instandhaltung und dem Ausbau von Straßen- und Brückenbauwerken in Baden-Württemberg.