30. November 2015

Deponieknappheit: Wohin mit nicht wiederverwertbaren Baumassenabfällen?

Entsorgungsengpässe auch durch verschärfte Recyclingvorschriften


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Stuttgart. Wohin mit den Millionen Tonnen an Baumassenabfällen, die während Bauarbeiten als Bodenaushub anfallen? Die Lösung: Entweder umweltschonend verwerten oder deponieren. Soweit die Theorie, die Praxis aber bereitet den baden-württembergischen Bauunternehmen zunehmend Probleme. Denn derzeit muss gelöster Boden, der nicht auf der gleichen Baustelle wieder eingebaut werden kann, mit hohem Kostenaufwand auf Umweltschadstoffe hin untersucht werden bevor er an anderer Stelle z.B. im Straßenbau wiedereingebaut oder für Lärmschutzwände genutzt werden darf. Völlig saubere Böden aber sind, gemessen an den hohen Maßstäben der Umweltbehörden, weder in Siedlungsgebieten noch an Verkehrswegen anzutreffen. Somit müssen gering bzw. höher belastete Böden auf speziellen Deponien entsorgt werden. Doch die werden langsam knapp, insbesondere im Großraum Stuttgart.

Inzwischen sind die entsprechenden Kapazitäten rund um die Landeshauptstadt nahezu erschöpft. Als Folge haben sich die Deponiekosten in den vergangenen Jahren zum Teil verdoppelt. Einige Deponien, wie etwa in Böblingen, wurden zeitweise sogar ganz geschlossen. Andere, wie in Esslingen, nehmen nur noch Erdaushub aus ihrem eigenen Landkreis an. Die Baufirmen sind deshalb immer öfter gezwungen, den belasteten Bauschutt kilometerweit zur nächsten freien Erddeponie zu fahren. Selbst Transportwege von über 100 Kilometer in benachbarte Bundesländer sind keine Seltenheit. Dieser Mülltourismus führt zu einer unnötigen zusätzlichen Umwelt- und Verkehrsbelastung auf Baden-Württembergs Straßen. Die Landesvereinigung Bauwirtschaft drängt daher schon seit Längerem darauf, dass das Land endlich neue Deponien ausweist, um die anfallenden Erdmassen sachgemäß zu entsorgen. Die Einrichtung einer solchen Erddeponie kann allerdings bis zu zehn Jahre dauern. Derzeit fallen in Baden-Württemberg jährlich mehr als 25 Mio. Tonnen Erdaushubmassen an, die entweder recycelt oder deponiert werden müssen.

Verstärkt wird das Abfallproblem durch immer schärfere Regelungen für die Entsorgung und Verwertung von Erdaushub. Dabei sind in der seit Jahren diskutierten sogenannten Mantelverordnung bereits äußerst strenge Vorschriften vorgesehen, die nun erneut angehoben werden sollen. Dieter Diener, Geschäftsführer der Landesvereinigung Bauwirtschaft, sieht zwischenzeitlich die Grenzen des Machbaren erreicht. „Grundsätzlich steht die Bauwirtschaft dazu, so viel wie möglich an Boden, Steinen und Bauschutt umweltgerecht zu verwerten. Aber gewisse Baumassenabfälle wie etwa belasteter Boden aus Altstandorten können nun mal nicht wiederverwertet werden. Deshalb brauchen wir ausreichend Deponieraum, damit der momentane Mülltourismus bis hinein nach Bayern endlich aufhört.“ Außerdem fordert Diener ein bundesweit einheitliches Regelwerk für die Entsorgung von Bauabfällen. Bislang gibt es von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Vorgaben. Im Moment liegt die durchschnittliche Verwertungsquote von Baumassenabfällen in Baden-Württemberg bei immerhin 91,2 %.

Nicht zuletzt aufgrund der akuten Deponieknappheit unterstützt die baden-württembergische Bauwirtschaft den Gedanken des umweltschonenden Bauens und bekennt sich zum verstärkten Einsatz von wiederverwertbaren Recycling-Materialien. Sie ist daher auch Mitunterzeichner einer „Gemeinsamen Erklärung zur Abfallvermeidung“ im Bausektor, die am 11. Dezember vom Umweltministerium Baden-Württemberg sowie diversen am Bau beteiligten Partnern offiziell unterschrieben wird.