17. August 2017

Bauwirtschaft gibt Politik Schuld an enorm hohen Baunebenkosten

Im europäischen Ausland wird deutlich billiger gebaut


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Stuttgart. Bauen ist teuer – vor allem in Deutschland. Dies liegt nicht nur an den hohen Grundstückpreisen hierzulande, sondern auch an den hohen Nebenkosten. Wer in der Bundesrepublik Wohneigentum erwerben möchte, muss zum Kaufpreis bis zu 15 % an zusätzlichen Kosten einkalkulieren. Deutlich besser sieht es da bei unseren Nachbarn in den Niederlanden aus. Dies beginnt schon bei der Steuer. Während in Deutschland der Grunderwerbsteuersatz je nach Bundesland zwischen 3,5 % und 6,5 % liegt, beträgt er in Holland nur 2 %. In Großbritannien gibt es sogar einen hohen Freibetrag von 125.000,- Pfund, erst danach müssen 2 % gezahlt werden. Baden-Württemberg hat seine Grunderwerbsteuer 2011 von 3,5 auf 5 % erhöht, nachdem die Bundesländer diese seit 2006 selbst festlegen dürfen und damit eine zusätzliche Einnahmequelle für sich entdeckt haben. Bis dahin betrug der Satz bundeseinheitlich 3,5 %. Überlegungen seitens der baden-württembergischen Landesregierung, die Steuer zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre anzuheben, scheinen zumindest vorerst vom Tisch zu sein. In Bayern und Sachsen wurde bislang nicht an der Steuerschraube gedreht. Hier liegt der Satz nach wie vor bei 3,5 %.

Neben der Grunderwerbsteuer schlagen auch die hohen Notar- und Grundbuchkosten ordentlich zu Buche. Beim Kauf einer Wohnung fallen in Deutschland dafür in der Regel etwa 1,5 % an. Britische und niederländische Immobilienkäufer müssen für diesen Posten dagegen gerade mal die Hälfte berappen. In der Bundesrepublik sind außerdem hohe Maklergebühren fällig. Meist liegt die Maklerprovision bei ca. 7 % des Kaufpreises. Je nach Objekt kommen da schnell einige 10.000,- Euro an zusätzlichen Nebenkosten zusammen. In den europäischen Nachbarländern sind diese Gebühren – anders als bei uns – meist nicht an die Immobilienpreise geknüpft. Auch deshalb ist Wohneigentum für die Menschen dort eher erschwinglich, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Wohneigentumsquote. Während diese im EU-Durchschnitt bei 71 % liegt, rangiert Deutschland mit lediglich 53 % auf dem vorletzten Platz, danach kommt nur noch die Schweiz. Die Bauwirtschaft fordert deshalb, auch hierzulande Grundbuch-, Notar- und Maklergebühren generell zu deckeln oder eine gesetzliche Pauschale festzulegen.

Als wahrer Kostentreiber entwickeln sich in Deutschland überdies die zahlreichen gesetzlichen Vorgaben beim Bauen, wodurch die Baunebenkosten in den letzten Jahren massiv in die Höhe geschnellt sind. Mehrfache Verschärfungen der Vorschriften gab es insbesondere beim Thema Energieeinsparung sowie beim Lärm- und Brandschutz. In Baden-Württemberg werden sogar Fahrradstellplätze beim Hausbau vorgeschrieben, was die Kosten immer weiter nach oben treibt. Laut Berechnungen des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie sind mittlerweile bis zu 40 % der Preissteigerungen beim Wohnungsbau der Politik geschuldet. Für Dieter Diener, Geschäftsführer der Landesvereinigung Bauwirtschaft, eine beinah schon schizophrene Situation: „Einerseits verlangt die Politik, dass möglichst preiswert gebaut wird, damit Wohnen auch für Durchschnittsfamilien bezahlbar bleibt. Andererseits dreht sie mit jeder neuen gesetzlichen Auflage munter weiter an der Preisspirale. Das geht zu Lasten des Eigenkapitals und macht die Finanzierung einer eigenen Immobilie für viele Käufer letztlich unerschwinglich“, kritisiert Diener und fordert Bund und Land auf, zu einer vernünftigen Wohnungsbaupolitik zurückzukehren. Dazu gehöre neben der Eindämmung der exorbitant hohen Baunebenkosten auch eine gezielte Wohnraumförderung für Schwellenhaushalte sowie die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung, um den Wohnungsbau für potentielle Investoren wieder interessant zu machen.