31. Januar 2018

Konjunkturmotor Bauwirtschaft: Umsätze klettern auf Rekordniveau

Deponieknappheit: Bauboom verschärft Entsorgungsprobleme


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Stuttgart. Die baden-württembergische Bauwirtschaft hat ein außerordentlich erfolgreiches Jahr hinter sich. 2017 entwickelte sich für die Branche sogar noch besser als ursprünglich erwartet. In allen wichtigen Bausparten sind die Umsatzzahlen kräftig nach oben gegangen. Bei den größeren Bauunternehmen mit 20 und mehr Beschäftigten gab es bis Ende November ein Rekordumsatzplus von 15,8 %. Für das Gesamtjahr 2017 und bezogen auf sämtliche Betriebe des Bauhauptgewerbes rechnet die Landesvereinigung Bauwirtschaft mit einem Umsatzanstieg um ca. 8 % auf rund 15,7 Mrd. Euro.

Die gute Auftragslage hat allerdings auch ihre Kehrseiten. Insbesondere kleinere Betriebe klagen zunehmend über personelle Engpässe und können dadurch nicht mehr jeden Auftrag annehmen. Anders als größere Firmen haben sie nur bedingt die Möglichkeit, bei Auftragsspitzen auf ausländische Nachunternehmen zurückzugreifen. Bernhard Sänger, Präsident der Landesvereinigung Bauwirtschaft, sieht in der Personalbeschaffung und dem Fachkräftemangel derzeit auch die größte Herausforderung für die Branche. Die Zahl der Baubeschäftigten im Land ist 2017 um gut 4,5 % gestiegen und hat erstmals seit 15 Jahren wieder die 100.000-Marke erreicht.

Die Landesvereinigung geht davon aus, dass sich der starke Bauboom in den kommenden Monaten etwas abschwächen wird. Auch sind die Auftragseingänge bis Ende November mit + 5,1 % eher moderat ausgefallen. Zurückzuführen ist dies aber auch auf einen Basiseffekt, da es im Vergleichszeitraum des Vorjahres ein sehr hohes Auftragsniveau gab. Verbandspräsident Sänger sieht daher keine generelle Nachfrageschwäche: „Die Firmen haben für die kommenden Monate noch hohe Orderbestände und die Gesamtwirtschaft rund läuft. Die Aussichten für 2018 sind weiterhin positiv. Bis Jahresende rechnen wir mit einem Umsatzzuwachs von etwa 4 %.“

Mit der steigenden Baunachfrage haben sich in den letzten fünf Jahren auch die Baupreise nach oben entwickelt, im Schnitt um 2,5 % jährlich. Den von Auftraggeberseite vielfach vorgebrachten Vorwurf, die Bauunternehmen würden sich aufgrund der guten Auftragslage derzeit eine goldene Nase verdienen, weist Bernhard Sänger allerdings entschieden von sich: „Richtig ist vielmehr, dass nach Jahren des ruinösen Wettbewerbs die Firmen endlich wieder auskömmliche Preise erzielen und damit ihr wirtschaftliches Überleben sichern. Schuld an den gestiegenen Baukosten hat stattdessen die Politik, weil sie mit immer neuen und schärferen Vorschriften das Bauen künstlich verteuert. Außerdem muss dringend neues Bauland ausgewiesen werden, um den steigenden Bedarf zu decken.“

Für massive Probleme und wachsenden Unmut bei den Bauunternehmen sorgen zurzeit die fehlenden Deponien im Land. Die starke Bautätigkeit und zusätzliche Umweltschutzvorgaben stellen die Betriebe vor schier unlösbare Probleme. Sie wissen einfach nicht mehr wohin mit den zig-Millionen Tonnen von Baumassenabfällen, die jährlich in Baden-Württemberg anfallen. Etliche Baufirmen müssen inzwischen sogar bis nach Bayern oder Rheinland-Pfalz fahren, weil sie ihren Erdaushub nicht mehr ortsnah deponieren können. Akuter Notstand herrscht vor allem im Großraum Stuttgart und den umliegenden Landkreisen, in der Region Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe sowie im südbadischen Raum rund um Freiburg. „Dieser Abfalltourismus quer durch unser Land mit all seinen Umweltbelastungen ist der reinste Wahnsinn und muss endlich gestoppt werden!“, kritisiert Bauverbandspräsident Sänger. „Was wir brauchen, ist ein sinnvolles Deponiekonzept, das die vorgeschriebene 10-jährige Entsorgungssicherheit tatsächlich garantiert. Die Landkreise müssen endlich dafür sorgen, dass bei Baumaßnahmen in ihrer Region anfallender Erdaushub auch ortsnah entsorgt werden kann.“

Das Aufkommen an unbelastetem Bodenaushub in Baden-Württemberg ist 2016 weiter angestiegen, und zwar auf über 28 Mio. Tonnen. Das ist etwa die Hälfte des gesamten Abfallvolumens. Als Folge der Deponieknappheit sind die Gebühren in den letzten fünf Jahren sprunghaft nach oben geschnellt, teilweise auf das Doppelte. Je nach Region werden bei einem normalen Einfamilienhaus für die Entsorgung von Erdaushub inzwischen bis zu 30.000,- Euro fällig. Das Problem hat sich somit zum echten Kostentreiber für Bauherren entwickelt.