01. Juni 2018

Schlichterspruch auf dem Bau angenommen

Baubranche im Südwesten stimmt nach langwierigen Diskussionen mehrheitlich zu


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Stuttgart. Nachdem die IG BAU bereits vergangenen Samstag ihre Zustimmung zum Schlichterspruch vom 12. Mai 2018 erteilt hatte, haben nun auch die beiden Arbeitgeberverbände, der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie und der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, zugestimmt. Die Mitgliedsbetriebe der Bauwirtschaft Baden Württemberg haben sich zuvor auf regionaler Ebene mehrheitlich ebenfalls für die Annahme des Schlichtervorschlags ausgesprochen.

Der Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, Thomas Möller, begrüßte grundsätzlich, dass nun ein möglicher Arbeitskampf abgewendet wurde: „Natürlich belastet die sofortige Erhöhung der Löhne und Gehälter um 5,7 % viele unserer Mitgliedsbetriebe schwer. Das ist ein echt harter Brocken. Dies hat sich auch in unseren äußerst schwierigen und langwierigen verbandsinternen Diskussionen gezeigt. Die Alternative wäre aber vermutlich ein Arbeitskampf gewesen. Und den will keiner - weder die Betriebe, noch die Kunden. Denn die Auftragsbücher sind voll und bei den momentan ohnehin schon langen Vorlaufzeiten wäre es nicht im Interesse aller Beteiligten gewesen, wenn es zu weiteren Verzögerungen bei den Bauaufträgen käme.“

Möller betont ausdrücklich, dass die Beschäftigten in der Baubranche im Südwesten angesichts der starken Nachfrage seit Monaten außerordentlich viel leisten. Mit ihrer Zustimmung zum ungewöhnlich hohen Tarifabschluss möchten die Mitgliedsunternehmen des Verbandes dies explizit anerkennen und ihre Wertschätzung für ihre Mitarbeiter signalisieren. Auch die mit der Tarifeinigung einhergehende Anhebung der Ausbildungsvergütungen sei ein wichtiges Zeichen, um die Baubranche als Arbeitgeber für potentielle Nachwuchskräfte noch attraktiver zu machen.

Kritisch sieht der Hauptgeschäftsführer allerdings die generelle Einstellung mancher Kunden zur Preisentwicklung auf dem Bau: “Die meisten Bauwerke kommen nun mal nicht von der Stange. Jedes für sich ist ein Unikat. Diese Qualität hat ihren Preis. Das muss endlich auch in die Köpfe unserer Auftraggeber.“ Er gibt ferner zu bedenken, dass vielen Bauunternehmen die unerwartete Höhe des vereinbarten rückwirkenden Tarifabschlusses zu schaffen macht, weil sie dies in ihren bereits abgegebenen Angeboten nicht mit eingepreist hätten. „Für etliche unserer kleinen und mittelständischen Betriebe ist das wirklich schmerzhaft. Deshalb begrüßen wir auch, dass es in dem nun nachverhandelten Kompromiss unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit gibt, den Tarifabschluss nicht sofort in voller Höhe umzusetzen.“

 

Der Schlichterspruch der Zentralschlichtungsstelle unter Vorsitz des ehemaligen Bundeswirtschafts- und Arbeitsministers Wolfgang Clement vom 12. Mai 2018 sieht u.a. folgendes vor: Die Löhne und Gehälter werden im Westen ab 1. Mai 2018 um 5,7 % erhöht, bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von 26 Monaten. Dazu kommen drei Einmalzahlungen in Höhe von insgesamt 1.100 Euro. Die Angleichung der Löhne und Gehälter im Tarifgebiet Ost wird in zwei Schritten weiter vorangetrieben: Die Beschäftigten dort erhalten 6,6 % mehr Lohn und Gehalt ab 1. Mai 2018 und weitere 0,8 % mehr zum 1. Juni 2019. Auch sie erhalten eine Einmalzahlung in Höhe von insgesamt 250 Euro. Darüber hinaus gibt es 2020 zum ersten Mal bundesweit ein 13. Monatseinkommen, allerdings in unterschiedlicher Höhe. Die Ausbildungsvergütungen sollen zudem um rund 65 Euro abgehoben werden.