07. Dezember 2018

Wer hat Schuld an zunehmenden Schäden am Bau?

Verband rät dringend zur Beauftragung von qualifizierten Fachbetrieben


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Stuttgart. Die Bauwirtschaft erlebt derzeit einen Immobilienboom wie seit Mitte der Neunziger Jahre nicht mehr. Aber führt der Bauboom auch zu verstärkten Mängeln an Gebäuden? Eine Studie des Bauherrenschutzbundes, die diese Woche der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, legt dies nahe. Demnach gäbe es deutlich mehr Versicherungsschäden als in den vergangen Jahren. Am häufigsten gehe es um Mängel an Dächern, Decken und Wänden. Ursache hierfür seien das hohe Auftragsvolumen, überlastete Baufirmen, Termindruck, Fachkräftemangel und immer komplexere Vorschriften am Bau.

Die Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg sieht tatsächlich einen gewissen Zusammenhang zwischen den großen Auftragsmengen und der Zunahme an Bauschäden. Ursächlich für die Probleme wäre aber vor allem der enorme Investitionsstau, da die öffentliche Hand seit der Jahrtausendwende kaum noch in den Wohnungsbau investiert hat. „Jetzt wo die Wohnungsnot groß ist, soll plötzlich alles ganz schnell gehen und möglichst viel in kürzester Zeit vom hohen Auftragsberg abgearbeitet werden“, kritisiert Geschäftsführer Thomas Möller die Vorgehensweise von Städte und Kommunen. „Da unsere Wohnbaubetriebe aber über Jahre hinweg kaum Aufträge von der öffentlichen Hand bekommen haben, mussten sie ihre Personalkapazitäten in den letzten Jahren zwangsläufig zurückfahren. Diese lassen sich nicht von heute auf morgen wieder aufbauen. Uns fehlen also tatsächlich qualifizierte Fachkräfte, um die derzeitigen Auftragsspitzen zeitnah aufzufangen.“ Die Auftraggeber müssten sich deshalb dran gewöhnen, dass es im Vergleich zu früher inzwischen etwas länger dauert bis ihr Bauprojekt realisiert wird.

Das größte Problem sieht Möller derzeit aber nicht in erster Linie im Faktor Zeit, sondern vor allem im Faktor fehlendes Fachwissen. Um schnell zu beauftragen und Kosten zu sparen würden immer mehr Auftraggeber auf unqualifizierte Betriebe mit angelernten Kräften zurückgreifen, die nicht über das notwendige Knowhow verfügen. „Diese Vorgehensweise rächt sich, denn viele Baumängel zeigen sich oft erst nach einem Jahr“. Er rät potentiellen Bauherren deshalb dringend, sich vor der Auftragsvergabe nach einem qualifizierten Fachbetrieb in der Region umzuschauen. Ein guter Wegweiser seien hier Unternehmen mit dem Meisterhaft-Siegel. Dieses Gütesiegel zeichnet Betriebe aus, die über einen Meisterbrief verfügen und mit qualifizierten Mitarbeitern in höchster Qualität nach den neuesten technischen Standards arbeiten. Deutschlandweit beteiligen sich mehr als 1.700 Firmen an dieser Qualitätsoffensive, die vor über zehn Jahren vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes initiiert wurde. In Baden-Württemberg sind es rund 400 Mitgliedsunternehmen. „Das Qualitätssiegel und damit die Meisterpflicht schützen vor Pfusch am Bau und letztlich auch vor hohen Folgekosten, denn die Betriebe mit den Meisterhaft-Sternen verfügen über sehr viel Erfahrung und sind seit Langem erfolgreich am Markt tätig“, so Thomas Möller.