28. August 2019

Janis Gentner aus Aalen holt Gold bei der WorldSkills 2019

Christoph Rapp erringt 5. Platz


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Stuttgart. Grund zum Feiern gab es beim Nationalteam Deutsches Baugewerbe: Der 21-jährige Fliesenleger Janis Gentner aus Aalen holte in der Disziplin „Floor and Wall Tiling“ die Goldmedaille und ist damit Weltmeister der Fliesenleger. Darüber hinaus wurde Gentner als bester deutscher Teilnehmer mit der Medaille „Best of Nation“ ausgezeichnet.

Am gestrigen Abend ist die 45. WorldSkills, die Weltmeisterschaft der Berufe, im russischen Kazan mit einer feierlichen Abschlussveranstaltung beendet worden, bei der auch der russische Präsident Wladimir Putin zugegen war. Janis Gentner stand zusammen mit dem Schweizer Renato Leo auf dem Treppchen, der ebenfalls Gold erzielte, und das, obwohl Gentner einen Punkt mehr errungen hatte.

Gentner zeigte sich überglücklich über seinen Erfolg, war er doch während des Wettbewerbs streckenweise in Verzug geraten. Aber am Ende hatte er sein Werkstück in der vorgegebenen Zeit von 22 Arbeitsstunden an vier Wettbewerbstagen in höchster Perfektion vollendet. Bereits vor dem Wettbewerb hatte er erklärt: „Es ist eine einmalige Chance, sich bei der Weltmeisterschaft mit den besten Gesellen der Welt messen zu können. Denn ich bin aus Überzeugung Fliesenleger geworden!“ Dass er darüber hinaus „Best of Nation“ wurde, freute ihn umso mehr.

Der junge Aalener hatte 2017 seine Gesellenprüfung abgelegt und war zunächst Kammersieger, dann Landessieger und am Ende Deutscher Meister der Fliesenleger geworden. 2018 war er Ersatzteilnehmer für die EuroSkills. Zu Beginn dieses Jahres hatte er sich in einem Ausscheidungswettbewerb für die WorldSkills 2019 qualifiziert.

Bei der viertägigen Weltmeisterschaft hatte Gentner zunächst zwei Wände zu fliesen, auf denen die russische Flagge gleichsam als Welle sowie Kazan in roten und blauen Buchstaben zu sehen waren. Darüber hinaus musste eine große Vormauerung mit Podest und Gefällestrich (ähnlich einer bodengleichen Dusche) hergestellt werden. Dabei war sehr präzises Arbeiten gefragt, damit hinterher das Fliesenbild passte. Als weitere Herausforderung sollte die Vormauerung mit einer kleinen Nische versehen werden, die mit Mosaik auszulegen war. Grundvoraussetzung für eine Top-Platzierung waren sehr saubere Schnitte für ein exaktes Fugenbild. Die Ebenheit in der Ausführung, die Einhaltung von Flucht und Senkel, aber auch der Winkel waren weitere wichtige Bewertungskriterien. Alles in allem hatten die Fliesenleger eine umfangreiche und vielseitige Aufgabe zu bewältigen. 

Fliesenlegermeister Roland Filkorn, Ausbildungsmeister im Ausbildungszentrum Geislingen der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, hatte Janis Gentner auf den Wettbewerb vorbereitet. Er war als Experte und Mitglied der internationalen Jury vor Ort in Kasan dabei.

Alle sechs Mitglieder des Nationalteams Deutsches Baugewerbe haben sich in Kazan hervorragend geschlagen. Mit zwei Gold- und einer Bronzemedaille war die Mannschaft überaus erfolgreich. So erreichten die Beton- und Stahlbetonbauer Niklas Berroth (21) aus Sulzbach-Laufen in Baden-Württemberg und Julian Kiesl (20) aus Mallersdorf-Pfaffenberg in Bayern Bronze. Maurer Christoph Rapp (22) aus Schemmerhofen in Baden-Württemberg wurde Fünfter und mit einer Medaillon for Excellence ausgezeichnet.

Thomas Möller, Geschäftsführer der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg, ist beeindruckt von der Leistung des Nationalteams, darunter drei baden-württembergischen Teilnehmer: „Die Nachwuchstalente haben in Kazan großartig gekämpft und alles gegeben. Sie sind ein hervorragendes Aushängeschild für die Baubranche und zeigen, was man mit einer qualitativ hochwertigen Ausbildung und engagiertem Einsatz in einem Bauberuf erreichen kann. Herzlichen Glückwunsch zu den ausgezeichneten Ergebnissen!“

WorldSkills 2019

1.354 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus über 63 Nationen und Regionen haben vom 22. bis 27. August 2019 in Kasan bei der WM der Berufe in 56 verschiedenen Wettbewerbskategorien um Medaillen gekämpft. Präzision und Genauigkeit sowie Nervenstärke und Konzentration entschieden über Gold, Silber und Bronze. Rund 250.000 Besucher und Besucherinnen haben an den vier Wettbewerbstagen den jungen Wettkämpfern über die Schulter geschaut. 39 deutsche Teilnehmerinnen und Teilnehmer starteten in 34 Berufen. Dazu gehören auch die sechs Mitglieder aus dem Nationalteam des Deutschen Baugewerbes.