Bürokratie und hohe Belastungen bremsen Wohnungsbau aus
Bauwirtschaft fordert Kostenstopp und Abbau von Standards
Stuttgart. Der Wohnungsbau in Baden-Württemberg kommt kaum vom Fleck. Von Januar bis Juli dieses Jahres stieg der Umsatz in der Sparte nominal lediglich um 1,7 Prozent. Gleichzeitig sind die Baufertigstellungen 2025 auf nur noch 25.565 Neubauwohnungen gefallen – den niedrigsten Stand seit 2010.
„Der Wohnungsbedarf ist enorm, unsere Unternehmen stehen bereit. Aber zu viele Projekte rechnen sich nicht mehr oder scheitern an immer neuen Vorgaben und hohen Zusatzkosten“, sagt Markus Böll, Präsident der Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg.
Ein wesentlicher Kostentreiber sind aus Sicht der Bauwirtschaft die zahlreichen Vorschriften, Nachweise und Abgaben rund um das Bauen. Böll macht das an einem Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche deutlich: Allein Genehmigungen, Nachweise und Gutachten sowie Notarkosten, Grundbucheintragung und Grunderwerbsteuer summieren sich in diesem Beispiel auf 82.800 Euro. Bei Gesamtbaukosten von 450.000 Euro entspricht das mehr als 18 Prozent. Weitere erhebliche Kostenbelastungen werden verursacht durch energetische Anforderungen und technische Baubestimmungen, die in den vergangenen Jahren immer weiter verschärft wurden.
Vor diesem Hintergrund fordert Böll einen Stopp für zusätzliche Vorschriften beim Bauen: „Die Kostenspirale muss endlich zum Stillstand kommen. Zusätzliche Belastungen, die das Bauen noch teurer machen und damit weiter ausbremsen, darf es nicht geben.“
Statt neuer Anforderungen seien jetzt Bund und Land gefordert, das Bauen einfacher und günstiger zu machen. „Der geplante BW-Standard und das auf Bundesebene vorgesehene Gebäudetyp-E-Gesetz können wichtige Schritte sein – vorausgesetzt, sie werden sinnvoll ausgestaltet“, betont Böll. Zudem appelliert er an das Land, das angekündigte Programm „HeimVorteil BW“ zur Erstattung der Grunderwerbsteuer für Familien beim Ersterwerb von Wohneigentum zügig umzusetzen. Ebenso wichtig sei die von Grün-Schwarz angekündigte Aufstockung der Landesmittel für die soziale Wohnraumförderung auf das Niveau der Bundesförderung.
„An Ideen fehlt es nicht. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an“, sagt Böll. „Wenn wir mehr Wohnungen wollen, müssen wir das Bauen wieder einfacher, schneller und bezahlbarer machen. Die Politik muss jetzt handeln – konsequent und ohne weitere Verzögerung.“
Energetische Gebäudesanierung stärker fördern
Auch bei der energetischen Sanierung besteht erheblicher Handlungsbedarf. Viele Wohngebäude stammen aus einer Zeit, in der sommerlicher Wärmeschutz kaum eine Rolle spielte. Auf längere und häufigere Hitzeperioden sind sie daher schlecht vorbereitet. Zugleich sind rund 90 Prozent der Bestandsgebäude energetisch ineffizient und verfügen über unzureichend gedämmte Gebäudehüllen.
„Vor allem Gebäude, die vor 1977 errichtet wurden, haben einen hohen Sanierungsbedarf. Mehr als die Hälfte der angebotenen Einfamilienhäuser weist eine Energieeffizienzklasse schlechter als E auf“, erklärt Rainer König, stellvertretender Präsident der Landesvereinigung Bauwirtschaft.
Angesichts der rückläufigen Sanierungsquote fordert die Bauwirtschaft stärkere Anreize für die Modernisierung der Gebäudehüllen. „Eine gute Dämmung wirkt doppelt: Sie schützt im Sommer vor Überhitzung und senkt im Winter den Heizenergiebedarf und damit die Energiekosten. Außerdem schafft sie die Grundlage für einen effizienten Einsatz erneuerbarer Heizenergie. Diese Mehrfachwirkung sollte auch auf Landesebene stärker berücksichtigt und die Sanierung der Gebäudehülle gezielt unterstützt werden“, so Rainer König.

